Sechs Wochen buddeln im Archimedischen Sandkasten

  Sandkasten Aufbau Urheberrecht: © Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Schaufeln und Förmchen liegen bereit:
Sechs Wochen buddeln im Archimedischen Sandkasten

Dass der Archimedische Sandkasten zu Beginn der Sommerferien auf dem Katschhof aufgebaut wird, scheint sich mittlerweile bei zahlreichen Kindern herumgesprochen zu haben: Zum Aufbau standen pünktlich die ersten jungen Buddler*innen mit Schaufel und Eimer bereit, um direkt zu Beginn schon in einen Teil der insgesamt 140 Tonnen Spielsand einzutauchen. Und schließlich ist der Aufbau, den das eingespielte Team des Stadtbetriebs innerhalb weniger Stunden absolviert, auch ein Spektakel. Da werden 160 Meter laufende Balken verlegt und mit 200 Schlossschrauben festgedreht, mit vier Kipplastern Sand angefahren, der schließlich mit dem Radlader und auch per Hand in der großen 320 Quadratmeter großen Holzkonstruktion verteilt wird.

140 Tonnen neuer Spielsand

„Als wir den Sandkasten vor sieben Jahren mit initiiert haben, waren wir uns noch unsicher, wie sich das entwickeln würde, aber bereits im ersten Jahr haben wir gemerkt, dass das ein unheimlicher Erfolg und eine riesengroße Freude ist“, erinnert sich Ilse Stollenwerk, Geschäftsbereichsleiterin Grün- und Freiflächenpflege des Aachener Stadtbetriebs an die Anfänge. Heute helfen zehn Mitarbeitende der Grünflachen-Teams sowie einige Auszubildende dabei, die Konstruktion aufzubauen und den Sand zu verteilen. „Wir haben in diesem Jahr komplett neuen Spielsand. Der aus dem vergangenen Jahr wurde nach dem Hochwasser gespendet in die betroffenen Gebiete, darunter Friesenrath und Walheim.“ Auch während der gesamten Sommerferien, bis einschließlich Sonntag, 7. August, wird der Sandkasten von Mitarbeitenden des Stadtbetriebs betreut, unter anderem werden Spielplatzkontrolleure jeden Morgen den Spielsand rechen und auf Verunreinigungen kontrollieren.

Noch vereinzelt freie Ferienspielplätze

Wesentlich zum Erfolg des Archimedischen Sandkastens – ein Projekt im Rahmen des FutureLab, um mit den Hochschulen und der Stadt Aachen die Wissenschaftsstadt Aachen sichtbarer zu machen – trägt die Archimedische Werkstatt bei, geleitet von der Bleiberger Fabrik. Zum diesjährigen Thema „Energiegewinnung durch Windkraft“ bauen die teilnehmenden Kinder unter der Anleitung des Künstlers Berthold Westhoff eine Konstruktion, mit der spielerisch erklärt werden soll, wie Energie gewonnen werden kann. Insgesamt ist die Nachfrage nach Ferienspielplätzen sehr hoch, wie Renate Prömpeler vom Fachbereich Kinder, Jugend und Schule berichtet – und freut sich sehr über die Rückmeldungen. „Wir bekommen immer noch spontane Anfragen und genauso spontan gibt es noch Anbieter, die ihre Teilnehmerkapazität erhöhen.“

So ist es auch bei der Archimedischen Werkstatt, wie Leiterin Birgit Frank erläutert, denn auch sie haben die Teilnehmerzahl erhöht: 20 Kinder nehmen in den jeweiligen Ferienwochen teil. „Darüber hinaus bieten wir dieses Jahr auch Tagesplätze an, das heißt, Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren können spontan zu uns kommen und mitmachen.“ Wie das Ergebnis am Ende auf dem Katschhof aussehen wird, da lässt sich auch die Leiterin überraschen. „Wir geben keine Richtung vor, hier trifft Kunst auf Wissenschaft, die sich frei entfalten soll.“

Besuch im Energy Research Center der RWTH

Thematisch und fachlich unterstützt wird die Archimedische Werkstatt in diesem Jahr vom E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen sowie vom Center for Wind Power Drives (CWD) der RWTH Aachen. Dort waren die teilnehmenden Kinder bereits am Montag zu Besuch und bekamen unter anderem von Univ.-Prof. Antonello Monti sowie Prof. Dr.-Ing. Ralf Schelenz einen Einblick in die Forschung. „Wir haben eine Modelllandschaft und kleine Windräder. Die Kinder können die Windräder in die Landschaft stellen und dann kann mit einer Windmaschine die Wechselwirkung zwischen Wind, Windturbine und Last dargestellt werden. Dadurch können die Kinder sehen, wie Energie entsteht. So können wir Energie visualisieren und das finde ich sehr schön, da Energie schwer zu verstehen ist, da man sie sonst nicht sehen kann“, erklärt Univ.-Prof. Antonello Monti.

Diese Erklärung werden er und seine Kolleg*innen am Donnerstag, 7. Juli, für alle Interessierten wiederholen. Dann findet von 10 bis 17 Uhr der Aktionstag im Rahmen des FutureLab Aachen auf dem Katschhof statt. Das E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen zeigt anhand eines kleinen Windparkmodells, wie sich Stromangebot und Stromnachfrage im Netz decken. Das Center for Wind Power Drives (CWD) der RWTH Aachen stellt ein Modell einer typischen Windenergieanlage vor. Professor Simon Bales und Studierende der Hochschule für Musik und Tanz spielen ab 16 Uhr auf der Rathaustreppe. Weitere Angebote von der FH Aachen, der RWTH Aachen sowie dem Netzwerk außerschulischer Lernort eXploregio.net laden zum Entdecken, Ausprobieren und Mitmachen ein.

Das beliebte Guten-Morgen-Yoga, ein Angebot im Rahmen der Gesunden Verwaltung der Stadt Aachen, findet ebenfalls wieder statt: Jeweils montags bis einschließlich 1. August, von 7 bis 7.30 Uhr – keine Kosten, keine Anmeldung.

Bagger, Lastwagen und Schaufeln

Und für die Kinder, die spontan zum Sandkasten kommen und kein eigenes Sandspielzeug dabei haben noch eine weitere gute Nachricht: In diesem Jahr stehen allen wieder kleine Schaufeln, Bagger und Lastwagen, gesponsert von der Stawag, zur Verfügung. Auch das große Sonnensegel wird aufgestellt. „Nichts verdeutlicht Kinderfreundlichkeit in der Stadt mehr als der Archimedische Sandkasten“, betont Kirsten Haake von der Stawag.

Es ist ein Projekt, bei dem Kunst auf Wissenschaft trifft, generationenübergreifend der Sommer genossen wird, rund um die Uhr im Herzen der Stadt. Sechs Wochen Sommerferien, sechs Wochen Archimedischer Sandkasten: Es kann losgehen!